Sonntag, 18. November 2018

Die rote Schildkröte

Vom Artdesign her anders, aber nicht gewöhnugsbedürftig, man freundet sich schnell an mit der Art der Darstellung, der Zeichnung dieser Welt; Reduziert und dennoch beeindruckend.

In diesem Anime wird zwar manches gesagt, jedoch kein einziges Wort gesprochen. Es gibt keine Dialoge. Und die Handlung wird dennoch vorangetrieben, die Welt bzw. der Handlungsspielraum etabliert, die Situation dramatisiert. Es handelt sich zu diesem Zeitpunkt um eine offenbar menschenleere Insel, um einen isolierten Ort in den Weiten des Meeres gelegen. Sowas mag ich sehr. Denn gerade das Unkommentierte, gewisserart Ungerichtete, kann derart frei wirken, sich entfalten. Wunderbar.

Die Komposition aus 2D Handzeichnungen und CGI Computergrafik (in manchen Szenen, zB die Darstellung der Meeresoberfläche) wirkt sehr gelungen, was keine Selbstverständlichkeit ist (siehe 'Ghost in the Shell', die Macher dieses Leuchtfeuers der Animekunst kämpfen seit Anbeginn des Werks mit eben dieser Komposition und haben den Bogen noch immer nicht raus).


Die Sympathieträger vom Anfang an der Geschichte sind kleine, stumme Krebse, Krebse die sich am Strand aufhalten. Als wiederkehrendes, vertrautes Element binden sie durch ihre Präsenz die abwechslungsreichen Szenenbilder zusammen; Interessant, was so ein kleines Handlungselement ausmachen und bewirken kann.

Der Gestrandete versucht nach Leibeskräften irgendwie von dieser Insel wegzukommen, so baut er sich ein Floss. Mehrere Flosse. Doch er landet letztlich immer wieder am gleichen Strand, auf gleichem Sand.

Als ein weiteres Floss berstet, er ins Wasser fällt, begegnet ihm ein grosse Schildkröte. Er fürchtet sich, doch sie tut ihm nichts.

Allmählich wird er wütend. Er wirft einen Stein ins Meer, er schreit im Wald, er schreckt die Vögel auf.

Er begegnet der Schildkröte erneut, nun liegt sie am Strand, er geht auf sie zu und lässt an ihr seine Wut aus. Kehrt sie auf den Rücken, auf dass sie in der Sonnenglut sterben möge.

Sein Gewissen meldet sich, in der Nacht.

Tagsdrauf ist die Schildkröte tot am Strand, während der Nacht sahen wir ihre Seele aufsteigen. Bedauern ergeift ihn. Trauer. Er versucht hilflos, sie mit Meereswasser wiederzubeleben, indem er den nun leblosen Körper der Schildkröte damit benetzt.

In der kommenden Nacht verwandelt sich die Schildkröte am Strand in eine dunkelhaarige Frau, die nun gleichsam bewusstlos am Strand liegt. Er wacht fortan neben ihr, baut ein Dach aus Zweigen über ihr, um sie vor Sonne und Regen zu schützen.

Die Frau wird lebendig und im Meer, unter Wasser, beim Tauchen, begegnen sie sich bald darauf zum ersten Mal bewusst.

Das dürfte genug des Eindrucks vermitteln, mit was für einer Art von Geschichte man es hier zu tun hat, "die rote Schildkröte" ist ein Arthouse-Anime. Zwar störe ich mich am Subtext der Story, nämlich dass hier 'die Frau' zur Lebens- und Sinngeberin, und diesbezüglich im eigentlichen Sinn 'vergöttlicht' wird (wenngleich diese Sicht nach rein irdischem Massstab durchaus Berechtigung hat, im Rahmen der Begebenheiten, und die isolierte Insel eben diese Erde auch repräsentiert, aber diese Stilisierung rein geistig nicht haltbar ist), jedoch ihm Rahmen dieses Settings kann man es so gelten lassen. Teilweise gibt es richtig starke Szenen,

hier zB betrachtet der Vater von seiner Warte, von seiner Position aus, seinen Sohn, der am Strand spaziert und nun selbst ein Erwachsener geworden ist, am Beginn seiner eigenen Zeit, seiner eigenen Lebenserfahrung gewisserart sich befindet:



In der Szene zuvor sahen wir den Sohn schwimmend im Meer, in einer bildhaft umgesetzten 'stehenden Welle' (dh. auf dem Höhepunkt), und seine Eltern winken ihm zu.




Das ist stark. Das mag ich, sowas liebe ich, das will ich sehen. Ein besonderes Werk, hat mir sehr sehr gut gefallen.



NWO Verwaltungszentrale hat einen Link zu diesem Anime geteilt:




The Wind Rises

"Das kann das Leben nur einmal geben,
denn jeder Frühling hat nur einen Mai"


Sehr gelungener Anime, zeitlich angesiedelt im Japan zwischen den zwei Weltkriegen.

Eine Geschichte über einen lieben, artigen Jungen, der zu einem lieben und artigen Mann heranwächst. Der nach einem Traum Flugzeugingenieur werden will und als Erwachsener Flugzeugingenieur wird, bei Mitsubishi.

Die erste Hälfte der Geschichte fokusiert gewisserart auf den beruflichen Werdegang, der Jiro Horikoshi auch nach Deutschland führt, nach Dessau, um im Auftrag seines Arbeitgebers die Junkers Flugzeuge zu studieren.

Die zweite Hälfte beginnt mit einem Spaziergang der Hauptfigur durchs Grüne, auf einer Anhöhe erblickt er eine junge Frau, die ein Bild malt. Was im Anschluss folgt, bietet einige der schönsten Szenen, die ich je gesehen habe. Die zwei werden später heiraten, was uns einen gewissen kulturellen Einblick gewährt, Achtung vor dieser Kultur bewirkt und abermals einige wunderschöne Szenen bereitet.

Wie von Ghibli gewohnt: nichts spektakuläres, nichts weltbewegendes, nur ein Blick auf ein Leben in dieser Welt, eingebettet in den Rahmen der Zeit. Sauber animiert, schön gezeichnet, ruhig erzählt, da gibts nichts auszusetzen. Platziert sich in meinen Top 5 der Ghibli Animes.

Samstag, 17. November 2018

GARNiDELiA - Cry

noicon All Time Top #30: 01

#01




Blümchen - Boomerang (1996)


Dienstag, 13. November 2018

nvVII-004 Neulich, am Erdsee





NB - im Video sag ich was von wegen "jetzt könnten sie eine Uhr zeigen". Aber sie zeigen keine Uhr. Sondern ein grosses Wagenrad. Der Engländer benutzt auch den Ausdruck "Wheel of Time", zu deutsch "das Rad der Zeit".

Montag, 12. November 2018

Ein starkes Werk

Eigentlich wäre der Plan gewesen, mir heute Abend nur noch einen Anime anzusehen, und danach früh ins Bett zu gehen, weil ich übers Wochenende viel zu wenig Schlaf gekriegt hab. Hätte wäre wenn.

Denn bei dieser Vorplanung des Abends, also der Zeit nach Feierabend,  - womit einer wie ich sich den Tag durch auf Arbeit mental hauptsächlich beschäftigt -, war mir noch nicht bewusst, dass meine DVD Wahl mir (wiedermal) einen der besten Anime bescheren wird, die ich bislang gesehen habe.

Wow! Wow! "Tränen der Erinnerung" von Studio Ghibli ist ein aussergewöhnliches Erlebnis, so ein feinfühlig gesponnenes Werk kriegt man selten zu sehen.

Der Anime erschien im Jahr 1991 und gewisserart sieht man das der Animation auch an, da hat man wahrlich schon weit besseres gesehen; Die Bewegungen wirken irgendwie zu langsam, manchmal etwas hölzern. Die Hintergründe wirken (noch dazu) mal überbelichtet, mal kaum da, nahe verwischt schon, doch dann wieder gewaltig und wunderschön in Szene gesetzt. Nach etwa 30 Minuten setzt die 'Ghibli-Trance' ein und nun ist es genau dieser Stil, der noch weiter reinzieht.


Wir haben hier die Geschichte einer 27 jährigen Frau, die in diesem Anime gewisserart eine Reise tut, um sich zu erinnern. An frühere Phasen ihrer Kindheit, ihrer Schulzeit, und dies aus Motiven, die sich durch den Handlungsverlauf und mancher Bemerkung oder Aussage durch weitere Charaktere ergeben. Zumindest dem aufmerksamen Zuschauer: Ein Anime, der sich klar an den Erwachsenen richtet und in meiner clishé-Vorstellung besonders auch der Frau, die sich sowas ansieht, sehr gefallen wird. Weil eine Frau bzw. ein Mädchen die Hauptrolle spielt und die Handlung der Geschichte sehr berührend ist. Die Frau oben im Bild, und das Mädchen neben ihr, sind der gleiche Mensch. Nur zu unterschiedlichen Zeiten, mal als Kind, mal als nun erwachsen.


Dieser Anime handelt von Erinnerungen, von Bleibendem; Von der Wirkung der Vergangenheit auf die Präsenz, die Gegenwart, von Entscheidungen, die künftige Bahnen bewirken.

Er handelt von der Seele, die ein Menschenleben führt. Irgendwie auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Niemals zuvor konnte mir in einer einzelnen Szene ein Medium derart vor Augen führen, vor Augen darstellen, was "Liebe" ist, was "Verliebtheit" ist und bewirkt. Wow! Und es sind nur 10 Sekunden! Sowas kann nur Anime. Die Handzeichnung ist dem Geistigen weit näher als das bereits distanziertere Medium Film, das tritt in diesem Werk "Tränen der Erinnerung" klar zu Tage.






Der Anime ist wie gesagt eher was für Erwachsene, nicht aufgrund allfälliger expliziter Szenen, denn sowas gibts bei Ghibli nicht, sondern wegen des Anspruchs. Um zu verstehen, was hier vermittelt wird, muss man selbst erst erwachsen geworden sein, das ist der Grund. Rein von der Handlung her gefällt mir "Tränen der Erinnerung" (1991) noch mehr als "Erinnerungen an Marnie" (2017), meinem bislang favorisierten Ghibli Anime, der nebst einer soliden, berührenden Handlung auch noch allerfeinste Animationskunst bietet.


Das Artdesign wirkt, wie gesagt, anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, was allerdings die verwendeten Bilder in diesem Beitrag nicht transportieren können. Doch man wird sich mit der Zeit gewahr, dass hier Erinnerungen und Echtzeit parallel dargestellt werden, klare Erinnerungen, verschwommene Erinnerung, momentane Erinnerungen. Ein Grosswerk der Animekunst! Und der Titel ist keine Lüge, denn du wirst weinen. Nicht weil es so traurig und gemein ist, also nicht durch die Disney-Methode, sondern, weil du ergriffen bist, weil du dich selbst an sowas erinnerst. Und wie auch in "Nausicaä aus dem Tal der Winde" und "Mein Nachbar Totoro" bildet der Abspann den finalen 'tearjerker', man verlässt die Wiedergabe dieses Anime mit einem Wohlgefühl in der Herzregion. Starkes Werk.

Samstag, 10. November 2018