Mittwoch, 30. Mai 2012

Israelische Botschaft wittert Antiisraelische Kampagne



Die Migros hat angekündigt, ab 2013 die Produkte aus den von Israel besetzten Gebieten in Palästina nicht mehr nur mit Herkunftsland "Israel" anzuschreiben. 20min.ch berichtete gestern:

"Wie andere Grossverteiler führt auch die Migros eine Reihe von Produkten, die aus den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten stammen. (...) Heute stammen solche Produkte gemäss Herkunftsangabe schlicht aus «Israel». Tatsächlich kommen einzelne Artikel jedoch aus palästinensischen Gebieten, die von Israel besiedelt sind, etwa in der Westbank oder in Ost-Jerusalem, wie es in einer Meldung des «Migros-Magazins» vom Montag heisst. Die betreffenden Siedlungen werden von der UNO und vom Bundesrat als völkerrechtswidrig beurteilt. (....) Darum sollen diese nun mit «Westbank, israelisches Siedlungsgebiet» oder «Ost-Jerusalem, israelisches Siedlungsgebiet» gekennzeichnet werden."

Die Reaktion der israelischen Botschaft in der Schweiz folgt umgehend, man zeigt sich sehr "enttäuscht" über das geplante Vorgehen der Migros. Blick.ch berichtet, in einem Artikel ohne Kommentarfunktion:

"Kaum kündigte der Grossverteiler Migros an, Produkte aus den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten zu deklarieren, gibts Schelte: Die israelische Botschaft in der Schweiz lehnt die Linie der Migros aufs Schärfste ab. Man sei enttäuscht zu sehen, dass sich die Migros an einer «antiisraelischen politischen Kampagne beteilige», hielt die israelische Botschaft heute fest. Die Kampagne ziele darauf ab, Israel anzuschwärzen und schon im Voraus den zukünftigen Status der umstrittenen Gebiete festzulegen."

Die "umstrittenen Gebiete" sind schlicht und einfach von Israel widerrechtlich besetzt. Da gibts nichts "anzuschwärzen" - ein solches Verhalten ist bereits rabenschwarz. Es ist das typisch herrische Verhalten. Angenommen, Italien würde widerrechtlich Teile der Schweiz besetzen - dann wäre die Kritik daran demnach anti-Italienisch, aber wäre sie dadurch falsch? Nein, sondern völlig rechtens. Was der israelische Botschafter mit seiner Kritik offenbart ist, dass der "zukünftige Status der umstrittenen Gebiete", wie er sich fein diplomatisch ausdrückt, nach israelischer Meinung bereits festgelegt ist: nämlich als zu Israel gehörig. Denn ohne diese Absicht fehlt der Kritik durch die israelische Botschaft jegliche Grundlage.

Kommentare:

  1. Mehr und präzisere Infos (z.B. auf Verpackungen) können nie schaden :-) Mit der Wahrheit hatten die Zionisten schon immer ihre liebe Mühe...

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  2. Hallo,
    auf der Facebook-Seite von Migros fliegen auch schon die Fetzen....n kleiner Auszug:

    Eine absolute Frechheit, diese ungerechtfertigte Kennzeichnung von Waren aus israelischen Gebieten. Man erinnere sich: Isreal hat diese Gebeite nicht in einem Angriffskrieg erobert sodern im Zuge diverser Verteidigungskriege. Manche Menschen haben ein bedenkliches historisches Gedächtnis.

    Zudem, warum diese einseitige Fokussierung auf die sogenannten "besetzten" Gebiete Israels? Wie steht es mit dem durch China besetzten Tibet oder Produkten aus Gebieten der von China unterdrückten Uiguren? Viele weitere Beispiele können bei Bedarf angefügt werden.

    Fakt ist, dass Israel mehrere Male militärisch Angegriffen wurde, jedoch jedesmal als Sieger vom Feld ging und dabei gewisse Gebiete als Puffer erobert hat.

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    1. Sie haben Taiwan vergessen, dessen Vernichtung China schon mehrere Male ankündigte, für den Fall, dass es sich für unabhängig erklären sollte. Aber nicht aufregen, das lohnt nicht das Adrenalin. Die Wenigsten besitzen heutzutage überhaupt so etwas wie eine politische Bildung. Da drücken ewig Gestrige regelmäßig wieder dumpfe Parolen ab und die werden dann sofort begierig und vollkommen unreflektiert als allgemeingültige Wahrheit angenommen. Nicht wenige der Gutmenschen hätten doch liebend gerne einen Holocaust 2.0, nur sollen das dieses Mal andere für sie erledigen, damit der Kragenschmutz des tumben Judenhassers nicht an ihnen kleben bleibt. Israel kann man höchstens vorwerfen, dass sie ihre notwenige Politik grausam schlecht verkaufen. Da sind wir Europäer besser, wenn wir den Sturz von kürzlich noch gerne bei uns gesehenen Diktatoren als demokratische Befreiungsaktion feiern, was im Gegensatz zu dem was Israel tut, geradezu perfekt geheuchelt ist. Statt dem Islamismus entgegtenzutreten, sorgen wir als Multiplikatoren noch für dessen Verbreitung. Vielleicht ja schon eine Art von Vorweg-Devotismus vor der künftigen deutschen Niederlassung der Muslimbruderschaft. Wenn man Angst vor jemandem hat, empfiehlt man sich am Besten schonmal im Voraus als perfekter Kriecher. Also ganz offen, wenn ich so lese, was in diversen Foren kaum 70 Jahre nach dem Unvorstellbaren schon wieder für Texte abgedrückt werden, wird mir speiübel.

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  3. Es scheint mir angebracht, hier mal ein wenig Geschichtsunterricht zu geben, auch wenn ich weiß, dass es einfacher ist ohnehin nur Dinge nachzuplappern, die ins eigene Meinungsbild passen. Nachdem die Europäer nach Weltkrieg zwo den Juden heuchlerisch einen eigenen Staat zubilligten, (natürlich in der Annahme, dass dieser sowieso nicht lange bestehen würde) und sich sämtliche arabischen Staaten rund um Israel zur Aufgabe machten, diesen wieder zu beseitigen, gab man den Israeliten noch nichtmal Waffen zur Selbstverteidigung. Außer die USA, worin auch die enge Bindung zu ihnen begründet liegt. Das Ganze ist dann nur extrem dumm gelaufen, denn anders als erwartet und während der Nazi-Diktatur geschehen, hatten die Juden so gar nicht vor, wieder als brave Lämmer zur Schlachtbank zu gehen, sondern wehrten sich erfolgreich, was sie mit dem 6-Tage-Krieg dann schließlich abrundeten. Die Besetzung des Sinais, der Westbank und der Golanhöhen, war zwangsläufig eine Folge davon und jedes Militär eines anderen Landes hätte genauso gehandelt, wenn es Interesse an seinem Weiterbestehen gehabt hätte. Und heute, nachdem wir Intelellen dafür sorgten, das überall im nahen Osten einigermaßen berechenbare Partner verloren gingen, (von Saddam über Mubarak bis Gaddafi) und sich stattdessen jetzt überall Muslimische Regime etablieren, ist Israel praktisch gezwungen, weitläufige Puffergebiete zu kontrollieren. Ist eben nicht so schön wie im sicheren Deutschland, das wohlig von Europäischen Staaten eingepackt ist. Aber wie gesagt, politische Tatsachen passen nunmal nie so recht ins eigene, ohnehin meist fest gefügte Weltbild. Da bemäntelt man dann lieber seinen unterdrückten Antisemitismus, indem man das eine kritisiert und das andere meint.

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